Zum Gedenken an hevala Beate Reiß

Mit Beate Reiß haben wir eine mutige, kämpferische, gewissenhafte heval verloren. Hevala Beate war eine wichtige Person, die bereits in den schwierigsten Zeit der 80’er Jahre die Solidaritätsbewegung maßgeblich entwickelt hat und gegen den Kolonialismus in Kurdistan aus Deutschland heraus politisch gekämpft hat. Damals hatten wir wenige Freunde und Freundinnen, die Bewegung war in Europa noch nicht sehr bekannt und die Kurdinnen und Kurden noch nicht so organisiert wie heute. Durch brutale Angriffe der NATO versuchten sie unsere Organisation - die Anfänge der Bewegung - im Keim zu ersticken. Im Rahmen der NATO hatte es sich Deutschland bereits in den 80ern zur Aufgabe gemacht, uns in Deutschland und Europa zu verfolgen und zu kriminalisieren. Zahlenmäßig hatten wir damals weniger FreundInnen, aber, die, die wir hatten - wie hevala Beate - gaben uns große Hoffnung. Diese Art von FreundInnen und GenossInnen waren es, die unseren internationalistischen Charakter prägten und aufrecht hielten, genauso wie unsere türkischstämmige Genossen Kemal Pir und Haki Karer sowie hevala Ronahi (Andera Wolf) aus Deutschland. Denn sie waren überzeugte Revolutionäre und waren bereit das Persönliche hinter dem gemeinsamen Kampf zu stellen, ohne in individualisiertes Leben zu verfallen.
Hevala Beate hatte auch die Gelegenheit genutzt Anfang der 90er Serok Apo (Abdullah Öcalan) in Bekaa (Libanon) persönlich zu treffen und mit ihm über dem gemeinsamen Kampf gegen den Kapitalismus zu diskutieren. Diese Gespräche und Dialogen hatten sie tief beeindruckt und aus dieser Erfahrung hatte sie ihren Kampf noch stärker geführt.

Die Überzeugung von hevala Beate waren stabil, weder der politische Druck und Repressionen durch Deutschland noch die politische Willkür des türkischen Staates konnten sie von ihrem Kampf abbringen. In den fast jährlichen Delegationsreisen hat sie dafür gekämpft Brücken zwischen dem kurdischen Volk und Hamburg aufzubauen. Sie wollte den revolutionären Kampfgeist des kurdischen Volkes nach Hamburg tragen und die Solidarität Hamburgs in Kurdistan vermitteln.

Aufgurnd ihrer eigenen revolutionären Überzeugung hatte hevala Beate den internationalistischen Charakter der kurdischen Frage früh erkannt. Sie wusste zu genau, warum die Staaten der kapitalistischen Moderne die kurdische Freiheitsbewegung angreifen. Nur eine Person, die eine ideologische Festigkeit hat, kann solch massiver Unterdrückung standhalten. Beate war eine überzeugte Sozialistin und daher auch eine nahe Freundin von Sakine Cansiz und von uns allen.

Hevala Beate war überzeugt, dass Freiheit für eine Frau auch ganz persönlicher Kampf bedeutet. Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner heval Robert hat sie als selbstbewusste und freie Frau für Gerechtigkeit und gegen die kapitalistische Modernität gekämpft. Solche Lebenspartnerschaften, in denen Frau und Mann darum kämpfen ihre Selbstständigkeit zu behalten und ebenso gemeinsam einen gemeinsamen Kampf für eine bessere Welt führen, stellen für uns ideologisch die Grundlage zur Bekämpfung des Patriarchats als Urheber des Kapitalismus dar. Eine Frau, die wie hevala Beate sich dem Patriarchalismus nicht beugt, bietetem Kapitalismus den Stirn.

Hevala Beate hat immer nach Möglichkeiten gesucht, das Leben auf alternative Weise anzugehen, in Genossenschaftlichkeit sowie in ökologischer, kommunaler und kollektiver Organisierung. Mit der ihr eigenen Beharrlichkeit hat sie so zahlreiche wertvolle Projekte mit ins Leben gerufen und Projekte von denen sie überzeugt war verteidigt. Ihr Ziel war es immer einen Schritt in die Alternative zum Kapitalismus machen und die sich selbst organisierende Gemeinschaft zu stärken.

Als Frauen der kurdischen Frauenbewegung hatten wir die Möglichkeit hevala Beate in den Bergen Kurdistans persönlich kennen zu lernen. Uns war es eine unglaubliche Freude, eine Frau kennengelernt zu haben die mehr als 30 Jahre gemeinsam mit uns gekämpft hat und ein Teil dieser Bewegung geworden ist. Gedenken an so eine großartige heval bedeutet für uns, den gemeinsamen Kampf in ihrem Sinne für Freiheit gegen die kapitalistische Moderne noch stärker zu führen. Dies schulden wir unseren verstorbenen Genossinnen wie Beate ebenso wie all unseren internationalistischen Gefallenen. Unseren Kampf werden für auch die Träume und Ziele von Beate weiterführen. So wird auch Beate in unserem Kampf weiterleben.

Wir sprechen ihrem Lebenspartner und unseren Genossen heval Robert, unserer Genossin ihrer Schwester Gitte, allen weiteren Angehörigen und Freunde/Freundinnen unser Beileid aus und gedenken hevale Beate ihrer voller Achtung und Dankbarkeit.