Die Bürgerinitiative „Spritzenplatz bleibt – unser Platz an der Sonne“ schrieb:

Wer sich auf dem Spritzenplatz umsieht, blickt auf Häuser unterschiedlicher Höhe. Dadurch erhält der Platz Lebendigkeit, Licht und Sonne und ist zum Treffpunkt im Stadtteil geworden; Initiativen und Parteien bauen dort ihre Infotische auf, es wird diskutiert, Anwohner*innen halten einen Klönschnack, Punks treffen sich, und das Eis kann in der Sonne genossen werden.

Jetzt soll nach einem Abriss eine durchgehend viergeschossige Bebauung (3 + Staffelgeschoss) entstehen. Diese wollten wir verhindern.

Das erfolgreiche Bürgerbegehren, das die Beibehaltung von Höhe und Baukörpermasse – auch bei einer Neubebauung - fordert und der Beschluss der Bezirksversammlung, dieses Bürgerbegehren zu übernehmen, sollen doch nicht umgesetzt

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Foto: Reinhard Schwandt

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Öffentliche Präsentation der Architekturentwürfe und Kürung des Siegerentwurfs

Spritzenplatz bleibt

– unser Platz an der Sonne!

PRESSEMITTEILUNG

Am 15.11.18 fand eine öffentliche Präsentation der Architektur-Entwürfe statt –

am 16.11.18 hat sich die Jury entschieden: Eindeutig gegen den Bürgerwillen.

Hamburg, Ottensen 18. November 2018

Die Jury hat entschieden.

Die „beteiligten“ Bürgerinnen und Bürger reiben sich verwundert die Augen!

Denn Höhe und Kubatur sind schlimmer gekommen, als es die Bürgerinitiative „Spritzenplatz bleibt!“ befürchtet hatte. Eine Abwägung öffentlicher und privater Belange, wie sie im Baugesetzbuch festgeschrieben steht – und uns immer wieder vorgehalten wurde – hätte zu anderen Ergebnissen führen müssen.

Auch für diejenigen, die am 15.11. nicht zugegen waren, wäre spannend zu wissen, wie die anderen Entwürfe ausgesehen haben und was die Anwesenden jeweils dazu auf ihre extra vorbereiteten Kommentar-Zettel geschrieben hatten. Daran würde deutlich werden, wie sehr der Bürgerwille mit Füßen getreten wird und, dass der „Sieger“ wohl vorher schon feststand.

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Foto: Marlit Klaus

Es gibt einen Vorschlag, von pmp Architekten, der einen für die Öffentlichkeit begehbaren Innenhof enthält. Das Fon-Haus soll hier erhalten bleiben. Etwas, das vielfach von der Bevölkerung gefordert wurde. Dieser Entwurf hat Höhenunterschiede und ist gut an Bestehendes angepasst. Er ist zwar entgegen den Forderungen des Bürgerbegehrens und des Beschlusses der Bezirksversammlung (Beitritt zum Bürgerbegehren), höher als die Bestandsbebauung, aber die Kubatur wird doch gut widergespiegelt, da der Innenhof nicht zugebaut werden soll. Dieser Entwurf wurde bei der Präsentation der Architekturentwürfe eindeutig von Seiten der Bevölkerung favorisiert.

Ein weiterer Entwurf von Hohaus Hinz & Seifert und design for human nature hat ein Grasdach und ist durch sehr schräge Dächer geprägt. Hier gab es bei der „öffentlichen“ Präsentation ungefähr gleich viele Befürworter wie ablehnende Stimmen. Dennoch hat sich die sogenannte Jury unbeirrt für den Investorenfreundlichsten entschieden.

Sie hat sich damit nicht nur brachial über ein erfolgreiches Bürgerbegehren und den – durch Beitritt herbeigeführten – Beschluss der Bezirksversammlung hinweg gesetzt, sondern sich bei drei Entwürfen auch noch für den, der am wenigsten „ortsbildprägend“ ist und am stärksten den Charakter dieses Platzes verändert, entschieden. Die Realisierung des Siegerentwurfs kommt einzig den Profitinteressen des Investors entgegen, denn durch die massive Gestaltung enthält der Siegerentwurf die meiste Quadratmeterzahl und mit ihm lässt sich somit die höchste Rendite erzielen.

Das in den Medien kursierende Foto des „Siegerentwurfs“ stellt nicht die ganze Wucht der Planung dar. Auf der Seite zur Bahrenfelder Straße sollen Arkaden entstehen und die ausgesparte („Telekom“-)Ecke wird durch die Höhe der Bebauung an dieser Stelle erschla- gen. Es wäre wunderbar, auch Fotos von den Ansichten, die diese Aspekte herausstellen, in den Medien zu sehen. Denn Arkaden als typisch für Ottensen zu verkaufen, ist schon dreist.

Die Bürgerinitiative „Spritzenplatz bleibt!“ wusste, warum sie aus dem Verfahren ausgetreten war: Sie hätte sich jetzt für diese Entscheidung verantworten müssen. Das war sicherlich ein von der Politik gewünschtes Szenario.

Der „Siegerentwurf“ nimmt die Kleingeistigkeit von Bezirksamt und -politik Altonas jedoch sehr gut auf und macht deutlich:

Hamburg ist und bleibt das InvesTor zur Welt!